Nach „Amazing Thailand“ können viele nicht lange genug reisen. Und manche „Farang“ bleiben sogar für immer. Oder zumindest über Winter. Und wenn schon Fernreise, dann doch wenigstens drei Wochen. Für mich ergab sich in diesem Herbst jedoch lediglich die Gelegenheit für einen Stop-over auf dem Weg zwischen „Far East“ und „Old Europe“. Aber auf den konnte und wollte ich nicht verzichten. Auch um für meinen Blog ein paar aktuelle Impressionen aus diesen Stunden zu erhaschen.

Thailand im Schnelldurchlauf ist weder für den Erstbesucher noch den Thailand-Fan wirklich zu empfehlen. Jemand hat einmal geschrieben, dass beim Reisen nicht nur der Körper, sondern auch die Seele ankommen muss. Und die braucht nach meiner Erfahrung immer ein bisschen länger als eine Langstrecken-Flugdistanz. Gerade wenn die Destination „Thailand“ heißt.

Nicht nur an Klima und Sonne, sondern auch an Lebensrhythmus und Essen, Verkehr und Verhalten, Lächeln und Loslassen muss ich mich immer wieder einen Moment lang gewöhnen. Und lasse mich dann gerne davon gefangen nehmen, tauche ein in das Thailand, das mir begegnet.

Diesmal blieb mir die Zeit für diese Phase des Ankommens nicht. Kaum in Suvarnahbhum gelandet, warf ich mich in Bangkoks Gewusel, fuhr mit dem Morgenzug hinaus ins Eastern Seaboard, tauchte kurz ein in die Untiefen Pattayas, erlebte ein Stück „echtes Thailand“ in der Industriestadt Chon Buri und konnte auf ein kleines Strand-Hopping in der Gegend um Bang Sare nicht verzichten, bevor mich der Asian Highway No. 7 schon wieder zurück zum Airport brachte.

In diesen wenigen Stunden oder Tagen bleibt ein solches Reiseerlebnis natürlich nur eine Instant-Mischung und insbesondere dem Thailand-Neuling ist keinesfalls zu empfehlen, meinem Beispiel zu folgen und Thailand lediglich stop-over zu besuchen. Wer zumindest einen Hauch dieses Landes, seiner Menschen, seines Lebens erahnen will, braucht länger. Man muss schon ins Schwitzen kommen, um Thailand wirklich kennenzulernen.

Mit dem morgendlichen Bummelzug von Bangkok ins Eastern Seaboard

Trotzdem hat mir mein Kurztrip gutgetan. Ein letztes Mal Sonne und Wärme tanken vor dem europäischen Winter. Original Thai-Food genießen mit all den frischen Zutaten, die dieses unverwechselbare Geschmackserlebnis erst wirklich ausmachen. Mich mit Menschen treffen, die neugierig, freundlich und offen sind. Und auch noch einmal zu lernen, welche Orte in Thailand mir guttun und welche nicht.

Ein paar Geschichten habe ich mitgebracht, die ich hier im Blog während der kalten europäischen Wintermonate über Thailand und meine Begebenheiten dort erzählen werde und die – trotz Baht-Hausse, Visa-Fragen, politischen Debatten um Korruption oder Meinungsfreiheit sowie rückläufigem touristischem Interesse aus Europa – vielleicht doch Lust machen auf die Seiten Thailands, die so viele Menschen nach wie vor faszinieren und die sich für mich in den über 13 Jahren, in denen ich Thailand bereise, nicht negativ verändert haben.

Aber in diesem Blog-Beitrag lasse ich erst einmal meine Bilder erzählen: vom teilweise geradezu ekstatischen Tempelfest mit freiem Frühstück für alle gespendet von den örtlichen Gewerbetreibenden in einem von Chon Buris Vororten oder von den Dancing Kids, die sich jeden Samstag und Sonntag im Amulet Center Chon Buri zum gemeinsamen Training treffen – selbstbestimmt, sich gegenseitig unterstützend und voneinander lernend.

Denn letztlich gilt nach meiner Erfahrung in Thailand die gleiche Regel wie in jedem anderen Land der Welt, das ich bisher besuchte: So wie ich als Gast den Menschen eines Landes begegne, so werden sich diese in aller Regel auch mir gegenüber verhalten. Meine Reiseerlebnisse hängen viel mehr von mir und meinen Einstellungen ab als von anderen oder von Umständen.

Und: ich bin auf Reisen weitgehend frei darin, zu welchen Menschen meines Gastlandes ich Kontakt suche. Und zu welchen nicht. Das sind die Freiheiten des Reisens: die Freiheit, anzukommen. Die Freiheit, sich einzulassen auf Menschen, Situationen und Länder. Und die Freiheit, weiterzuziehen: zu anderen Menschen, Erlebnissen, Orten, Ländern. Das macht den Wert des Reisens aus. In Thailand und anderswo. Ob kurz oder lang.

Sawadhee khap and see you next time, Siam!

P.S.: Zu den Dancing Kids von Chon Buri gibt es übrigens noch ein Video auf meinem Youtube-Kanal: