Faszination der Vielfalt: Menschen, Farben, Gerüche. Waren, Speisen, Spektakel. Ein Marktbesuch in Thailand ist ein Erlebnis. Ob im tiefsten Isaan oder des Nachts mitten in Bangkok.

Natürlich gibt es hier das frittierte Ungeziefer. Angeblich schmackhafte Käfer, krosse Spinnen, Raupenchips. Aber ein Thai-Markt besteht nie nur aus diesen exotischen Leckereien, die es inzwischen als kleine Dschungelcamp-Experience in fast jede Thailand-TV-Reportage geschafft haben. In Wahrheit sind die thailändischen Märkte egal ob in einer Provinzstadt auf dem Land, in einem der unzähligen Stadtteile der Metropole Bangkok oder auch in geringer Entfernung zu den touristischen Zentren von Pattaya oder Phuket keine Show, sondern echte Versorgungszentren für die Thais im Alltag.

Es gibt allerdings auch die „inszenierten“ Märkte: Pattaya Floating Market südlich der Touristenstadt. Oder der noch bekanntere Damoen Saduak in der Region Bangkok. Aber die haben lange nichts mehr mit den echten Märkten zu tun. Und thailändischen Kunden wird man dort sicher nicht mehr begegnen. Viel zu teuer. Viel zu touristisch.

Selbstverständlich kann es dem „Farang“ auf einem authentischen Thaimarkt passieren, dass die Tomaten bei ihm stillschweigend eine Preisverdopplung erfahren gegenüber dem einheimischen Kunden, der sich soeben damit versorgte. Mag vorkommen. Wer sich eines einheitlichen Preises für alle sicher sein will, sollte in die großen Einkaufstempel BigC oder Tesco Lotus gehen.

Jene besondere thailändische Marktatmosphäre ist dort allerdings sicher nicht zu erleben, auch wenn die in diesen Zentren den Vollsortimentern vorgelagerten Shop Areas durchaus ebenfalls ihren Unterhaltungswert haben. Und von praktischem Nutzen sind, da dort viele Dienstleistungen – von der Bankfiliale über den Mobilshop bis hin zur Backstation europäischer Provenienz – zu finden sind.

Dennoch bleibt es dort bei der sterilen Air-Condition-Atmosphäre. Kein Schwitzen unter Plastikplanen, kein hungrig machender Geruch frisch gegrillter Fische, kein kühlender, frisch gebrühter Eiskaffee mit süßer Kondensmilch und Strohhalm aus Plastiktüten.

Das Angebot der „echten“ Tages- und Nachtmärkte Thailands ist meist geradezu überbordend. Wenn ich in Thailand ausnahmsweise mal in einem Hotel wohne und einen Markt besuche, finde ich das zumeist ziemlich ärgerlich. Zu groß ist die Verlockung frischer Waren oder bereits zubereiteter Köstlichkeiten auf dem Markt. Ich kann kaum widerstehen, freue mich, bald wieder Selbstversorger zu sein. Bis dahin verwöhnt mich der Blick aufs Geschehen, auf das wuselige, aber jederzeit entspannte Treiben, Handeln, Kommen und Gehen. Ich nehme die vielen lächelnden und freundlichen Gesichter wahr und versuche, angemessen zurückzulächeln. Ich bin dann kein Kunde, sondern fotografierender Beobachter und freue mich, wenn ich auf den Auslöser drücken darf auch ohne etwas zu kaufen.

Wie überall auf der Welt hat der Markt auch in Thailand nicht nur ökonomische Bedeutung. Er ist Treffpunkt, Nachrichtenbörse, Gerüchteküche und kulturelle Institution. Er ist Schauplatz für Feste, Aufführungen, politische Botschaften, persönliche Inszenierungen oder religiöse Bekenntnisse. Aber er ist nie Folklore, sondern in erster Linie ein Platz des Austausches und des Handelns. Übrigens nicht nur für „Food“, sondern oft auch für Textilien, Haushaltswaren, Nippes und alles was man sonst so auch im Einkaufszentrum mit Kreditkarte, aber mit weniger Unterhaltungswert kaufen könnte.

Die Fotos entstanden auf Märkten in Bangkok, Ban Amphur (Provinz Chon Buri), Bang Sare (Provinz Chon Buri), Ban Khanat Mon (Provinz Surin), Chong Chom (Provinz Surin), Pattaya und Sangkha (Provinz Surin).